PALERMO ODER CATANIA?
- Ulrike Rios

- 13. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
WELCHE STADT SOLL ICH BESUCHEN?

Soll ich lieber nach Palermo oder Catania reisen? Das werde ich oft gefragt. Vor ein paar Jahren noch wäre die Antwort einfach gewesen. Mittlerweile, nach 5 Jahren auf der Insel, fällt sie mir schwer.
Palermo ist groß und elegant, eine multikulturelle Metropole, mit normannisch-arabischen Einflüssen, gepaart mit Gotik, Renaissance und Barock. Catania hingegen ist kleiner und wirkt offener, heller und bunter, ein Vulkankind aus schwarzem Lavagestein, mit barocken Prachtbauten und pulsierendem Leben.
Zwischen den Bewohnern beider Städte herrscht eine gewisse Rivalität, wie zwischen Dortmund und Schalke. Miete ich ein Auto in Palermo, wird mir geraten, es in Catania gut zu bewachen und sicher zu parken. Man traut den Catanesen nicht über den Weg. Erzähle ich einem Catanesen, dass ich nach Palermo fahre, erwidert er oft: „Ach, die Palermitani, die sind träge und arrogant. Die lassen dich ewig auf einen Cappuccino warten, während sie selbst eine Pause machen!“
Viele meiner Reisen starten in Catania, denn Catania ist ein perfekter Ausgangspunkt für die Erkundung der Ostküste Siziliens. Von Catania erreicht man schnell den Ätna oder Taormina im Norden oder die barocken Städte Noto, Ragusa, Syrakus im Süden.
In Catania gibt es den schönsten Wochenmarkt Siziliens, viele prunkvolle, barocke Paläste, den berühmten Fischmarkt und den Elefantenbrunnen mit einem Elefanten aus Lavagestein, das Wahrzeichen Catanias.
In Palermo hingegen stehen die schönsten Kirchen der Welt. Palermo ist kein Ausgangspunkt. Palermo ist ein Ziel. Um einen ersten Eindruck von Siziliens Hauptstadt zu bekommen, benötigt man mehrere Tage, und die sollte man sich und der Stadt gönnen. Erst danach darf man Ausflüge ins Umland nach Mondello, Monreale oder Cefalù unternehmen.
Also, Palermo oder Catania? Vor wenigen Jahren wäre meine Wahl ganz klar auf Palermo gefallen. Mittlerweile jedoch habe ich die kleine Schwester im Osten ganz schön dolle ins Herz geschlossen und möchte und kann mich nicht festlegen. In beiden Städten verbringe ich sehr gerne meine Zeit. Da mein Wohnort nur eine knappe Autostunde von Catania entfernt liegt, bin ich oft in der zweitgrößten Stadt Siziliens anzutreffen.
Genau deswegen widmet sich die folgende Fotostrecke ausschließlich Catania. Sie fängt den Geist dieser offenen, vulkanischen Schönheit ein, ohne Palermo zu vernachlässigen.
Entstanden sind die Bilder auf der Reise „Wintersonne in Sizilien“ im Februar diesen Jahres. Der Schweizer Fotograf Stephan Wicki @foto4u.ch war mit mir auf Reisen. Mir vertraute Orte erstrahlen durch seine Linse in einem neuen Glanz. Dankeschön an Stephan, dass ich die Bilder hier veröffentlichen darf. Weitere Arbeiten des schweizer Fotografen sind auf seiner Webseite www.foto4u.ch/ zu sehen.
Catanias Märkte
Es gibt zwei bedeutende Märkte in Catania: Den berühmten Fischmarkt, La Pescheria, in der Nähe der Piazza del Duomo und den weniger bekannten, dafür aber umso größeren und lebendigeren Markt an der Piazza Carlo Alberto, der Fera O'Luni, dem Montagsmarkt (auch wenn der Montagsmarkt von Montag bis Samstag stattfindet).





Catanias Hauptader - die Via Etnea
Die Via Etnea ist die Hauptachse Catanias und verläuft schnurgerade rund 3 km von der Piazza del Duomo Richtung Ätna. Die Prachtstraße entstand nach dem verheerenden Erdbeben von 1693 im Rahmen des barocken Wiederaufbaus der Stadt und wurde ursprünglich Via Duca di Uzeda genannt. Entlang der Via Etnea reihen sich barocke und neoklassizistische Paläste, Kirchen und Plätze, ein Grund, warum Catanias Altstadt heute Teil des UNESCO-Welterbes des sizilianischen Barocks ist.






Seitenstraßen
Der wahre Charme sizilianischer Städte findet sich auch abseits der Hauptrouten. In den enge Gassen parken Motorroller, hängen Wäscheleinen entlang der Straße, Signoras sitzen vor ihren Häusern auf alten Stühlen und halten einen Plausch.






Piazza del Duomo
Die Piazza del Duomo ist das historische und kulturelle Zentrum Catanias. Hier reihen sich viele barocke Bauten dicht an dicht. An der Ostseite des Platzes steht die Kathedrale Sant’Agata, ursprünglich im 11. Jahrhundert auf den Resten römischer Thermen errichtet und nach dem Erdbeben von 1693 im barocken Stil neu gestaltet. In der Mitte des Platzes steht die Fontana dell’Elefante, der Elefantenbrunnen, das Wahrzeichen der Stadt. Im Barock-Palast auf der Westseite der Piazza befindet sich heute das Rathaus der Stadt.



Il Porto di Catania
Der Hafen von Catania war schon in der Antike ein zentraler Handelsstützpunkt für Griechen und Römer. Im Jahr 1669 begrub ein Lavastrom des Ätna Teile der Stadt und veränderte das Hafenbecken dauerhaft, wodurch ein neues Ufer entstand.
In den 1930er Jahren ließ Mussolini den Hafen stark erweitern, was ihn zu einem der wichtigsten Mittelmeerhäfen machte. Heute spielt er immer noch eine zentrale Rolle für Güterumschlag und Kreuzfahrt-Tourismus.


Besondere Orte
Aber natürlich kann man auch in Catania mehrere Tage verbringen und täglich Neues entdecken. Antike Überreste mischen sich mit barocken Palazzi, Ruheoasen finden sich in Klöstern und Gärten und in den zahlreichen Cafés und Bars fühlt man sich stets willkommen. Catania ist ein Juwel voller Kultur und Herzlichkeit.














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