• Ulrike Rios

KLEINE NUDELKUNDE

Aktualisiert: 6. März


Heute koche ich mit Luigi aus Neapel. Wir bereiten den Primo zu, also den ersten Gang. In Italien ist das immer ein Gericht mit Pasta. Beim Kochen erfahre ich viel Interessantes über diese nicht nur bei Italienern beliebte Teigware.


Wir sprechen über die feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Nudelsorten, über Spaghetti Bolognese und die besten Nudelmarken. Wir verzetteln uns ein wenig in unserem Gespräch und als Deutsche fällt es mir besonders schwer, die feinen Unterschiede zwischen den Nudelsorten zu verstehen ;-)


Nudel ist doch Nudel. Oder?






WARUM DU NIEMALS SPAGHETTI BOLOGNESE IN ITALEN BESTELLEN SOLLTEST


Ulrike: Kochen wir heute Spaghetti Bolognese?

Luigi: Spaghetti Bolognese gibt es nicht bei uns. Dieses Gericht existiert nicht in Italien. Es ist eine Erfindung der deutschen Industrie.



Ulrike: Wirklich? Mit welcher Nudel esse ich denn Bolognese?

Luigi: Bolognese kannst du mit Tagliatelle, Penne, Paccheri, Rigatoni oder Gnocchi essen.

Willst du Nudeln mit Pesto essen, kannst du Paccheri, Rigatoni, Fusilli oder Penne nehmen. Aber mir persönlich schmecken keine Penne.

Ulrike: Wieso schmecken dir keine Penne?

Luigi: Penne sind dumme Nudeln.

Diese Antwort lässt mich etwas sprachlos. Mir fällt es wirklich schwer, einen Unterschied zwischen Penne, Rigatoni, Fusilli, Farfalle und Co zu schmecken. Gibt es wirklich einen Unterschied?



Ulrike: Wie isst man Spaghetti in Italien?

Luigi: Spaghetti isst man mit Tomaten, mit Vongole (Muscheln), Cozze (Miesmuscheln) oder Frutti di Mare (Meeresfrüchte). Alles, was aus dem Meer kommt, ist für Spaghetti geeignet, aber kein Fleisch. Spaghetti isst man nicht mit Fleisch.

Ulrike: Und wenn ich in Neapel in ein Restaurant gehe und dort Spaghetti Bolognese bestelle?

Luigi: Dann merken die Kellner sofort, dass du Deutsche bist und keine Ahnung hast.

Ulrike: Und wenn ich in Bologna im Restaurant Spaghetti Bolognese bestelle?

Luigi: In Bologna rufen sie wahrscheinlich die Carabinieri.

Wir müssen beide lachen

Luigi: Spaghetti kannst du auch gut mit Knoblauch und Öl zubereiten, Spaghetti aglio olio

Ulrike: Aber warum essen wir in Deutschland Spaghetti Bolognese?

Luigi: Weil irgendwann einmal jemand Spaghetti Bolognese in Deutschland verkauft hat, der keine Ahnung von Italien hatte. Dort findest du Spaghetti Bolognese sogar als Fertiggericht.

In Deutschland kannst du Spaghetti Bolognese essen, aber wenn du nach Italien kommst, solltest du es nicht im Restaurant bestellen.



Ulrike: Ich esse sowieso keine Bolognese, es wird mit Fleisch zubereitet. Ich esse z. B, Arrabbiata.

Luigi: Arrabiata isst du mit Spaghetti, auch mit Penne, Penne all'arrabbiata, das ist ein Gericht aus Rom. Oder du isst Amatriciana.

Ulrike: Amatriciana?

Luigi: Amatriciana ist eine besondere Nudelsoße aus der Nähe von Rom. Amatriciana isst du mit Bucatini.

Ulrike: Ist es so ähnlich wie Cacio e Pepe?

Luigi: Nein, Cacio e Pepe kommt aus Norditalien

Ulrike: Wirklich? Ich kenne das aus Rom

Luigi: Keine Ahnung, die Römer haben nie gut gegessen. Aber jetzt essen sie gut, denn sie essen wie wir Neapolitaner.



Ulrike: Luigi, was sind deine Lieblingsnudeln?

Luigi: Es gibt verschiede Sorten, z. B. Farfalle. Die esse ich gerne in Brühe. Gnocchi esse ich gerne mit Bolognese oder mit Mozzarella. Ich koche die Gnocchi und schiebe sie anschließend mit der Mozzarella für 2 Minuten in den Ofen zum Überbacken. Das sind Gnocchi alla sorrentina.




NOCH EIN BISSCHEN UNBEZAHLTE WERBUNG


Ulrike: Welches ist die beste industrielle Nudelmarke?

Luigi: Die beste industrielle Nudelmarke ist DeCecco, aber auch Rummo und Barilla sind gut. Ich habe damals auch bei Edeka gute Nudeln gefunden.



Ulrike: Und was ist jetzt der Unterschied zwischen den einzelnen Nudelmarken?

Luigi: Sie unterscheiden sich in der Qualität.

Ulrike: Was heißt das? Ist es das gute Mehl oder das Wasser?

Ich bekomme keine genaue Antwort, aber Luigi stellt eine Gegenfrage

Luigi: Wie waren die Nudeln gerade?

Ulrike: Gut

Luigi: Jaaa, aber wie haben sie geschmeckt?

Ulrike: Wie Nudeln

Luigi: Und wie haben die Spaghetti von DeCecco geschmeckt?

Ulrike: Wie Spaghetti

Luigi ist etwas verzweifelt und ratlos darüber, dass ich die Feinheiten so gar nicht rausschmecken kann

Luigi: Wenn die Nudeln gut werden sollen, musst du bei der Zubereitung immer bei den Nudeln bleiben, umrühren und auf sie achten. Wenn du nicht auf sie achtest, werden sie nicht gut schmecken. Und schaue auf die Verpackungsangaben, wie lange sie kochen müssen.



Im Anschluss an unser Interview haben wir gegessen: Paccheri mit Pistazien-Pesto aus Bronte. Das Pesto war sehr gut und auch die Paccheri haben sehr gut nach Nudel geschmeckt ;-)




DOCH WER HAT EIGENTLICH DIE NUDEL ERFUNDEN?


Wer hat’s erfunden? Es waren nicht die Schweizer. Aber wer genau die Nudel erfunden hat, ist bis heute unklar. Italien und China diskutierten lange darüber, wer von beiden der Erste war. 2005 kam dann Licht ins Dunkel: Bei Ausgrabungen in China wurde ein rund 4000 Jahre alter Topf mit Nudeln gefunden. Es handelte sich um eine Art Spaghetti.


Somit musste sich Italien vorerst geschlagen geben. Der Vorwurf, die Italiener hätten die Herstellung der Nudel von den Chinesen abgeschaut, entspricht vermutlich nicht der Wahrheit. Wahrscheinlicher ist, dass die Nudel an mehreren Orten unabhängig voneinander erfunden wurde.


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